Soultalk #69 - Weltkrieg beginnt am Bahnhof

Shownotes

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Soultalk #69 - Weltkrieg beginnt am Bahnhof

Menschen stolpern selten über Berge – meistens stolpern sie über Maulwurfhügel. Über Kleinigkeiten im Alltag, über Situationen, die eigentlich banal wirken. Und doch zeigen genau diese kleinen Momente oft, wie wir wirklich miteinander umgehen.

In diesem SoulTalk sprechen Adrian und ich über eine scheinbar unspektakuläre Szene am Bahnhof: Eine Frau raucht im Nichtraucherbereich, jemand spricht sie darauf an – und plötzlich entsteht daraus eine riesige Diskussion. Was als kleine Alltagssituation beginnt, führt zu einer viel größeren Frage: Wie entstehen eigentlich Konflikte zwischen Menschen?

Wir sprechen darüber, warum kleine Respektlosigkeiten manchmal große Emotionen auslösen, weshalb gesellschaftliche Debatten heute oft schneller eskalieren und warum wir immer weniger gelernt haben, Unterschiede auszuhalten. Es geht um Freiheit, Verantwortung, Moral – und um die Frage, wie viel Empathie wir im Alltag wirklich leben.

Du erfährst unter anderem: • warum große Konflikte oft aus kleinen Situationen entstehen • weshalb Empörung heute schneller eskaliert als früher • wie moralische Überzeugungen Menschen gegeneinander aufbringen • warum Gegenwärtigkeit im Alltag entscheidend ist • und weshalb wir lernen müssen, Unterschiede wieder auszuhalten

Diese Folge ist kein Urteil über richtig oder falsch. Sie ist eine Einladung, genauer hinzuschauen – bei uns selbst und bei unserem Umgang mit anderen.

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Steffen Kirchner kommt aus dem Leistungssport und kennt diesen als einzigen deutschen Speaker aus eigener Erfahrung als Spieler, Manager und Coach. Sein Name steht deutschlandweit für einzigartige Expertise in den Bereichen Motivation, Persönlichkeit und Erfolgspsychologie. Das Geheimnis seines Erfolgs ist die Kombination aus fundiertem Wissen und enormer Praxisstärke. Nirgends wird der Erfolg so schnell und unerbittlich gemessen wie im Profisport. Nur die Strategien, die nachhaltig, schnell und ergebnisorientiert funktionieren, haben dort Bestand. Über 500 Unternehmen, Profisportler und Teams Starcoach in den letzten Jahren beraten. Darunter auch Athleten wie Fußballstar Niclas Füllkrug, Goldmedaillen-Gewinner Fabian Hambüchen, Tennisstar Sabine Lisicki oder Unternehmen wie Audi, Siemens oder adidas. Steffen berät heute internationale Topmanager und vermittelt sein Wissen bei zahlreichen Veranstaltungen. Über 150.000 Menschen hat Steffen Kirchner mit seinen Seminaren und Vorträgen bislang begeistert. Sein Wunsch ist es, weltweit so vielen Menschen wie möglich dabei zu helfen, mehr Lebensstärke und Lebensqualität entwickeln zu können.


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diekunstzuleben #steffenkirchner #lifechange

Transkript anzeigen

(0:00 - 0:30)

So, mein lieber Freund, da sind wir wieder. Wo treffe ich dich denn? Ja, ja, ich bin in der Sonne und du bist im Schnee. Exakt, tatsächlich.

Also es ist quasi Kontrastprogramm 100% sozusagen. Weil bei uns, wenn ich jetzt gerade aus dem Fenster gucke, ist wirklich gerade richtig massiver Schneefall. Auf den Ästen liegen gefühlt 10 Zentimeter Neuschnee.

(0:31 - 0:48)

Und es ist ehrlich gesagt für mich persönlich auch als Wintersportler ist es Paradise. Wenn ich rausgucke, ich liebe es, auch so durch den knirschenden Schnee. Weil es gibt ja nichts, finde ich, Unbefriedigenderes, als dass es arschkalt ist und matschig und eklig.

(0:48 - 1:27)

Da denkt man sich so, oh nee, das hat irgendwie gar nichts. Aber wenn es dann irgendwie so pulvrig ist und alle schreiten so mit ihren Winterstiefelchen durch den knirschen Schnee, dann ist es schon wieder sehr, sehr toll, finde ich. Ja, voll.

Und nur wenn man in die Medienberichterstattung schaut, denkt man sich, oh mein Gott, es schneit in Deutschland, der Weltuntergang naht, alle werden erfrieren, keiner wird es mehr schaffen, wir müssen das ganze Land zusperren und hoffen, dass es irgendwann vorbei geht. Das ist verrückt, ne? Früher war es halt Winter, ne? Ja, voll. Apropos Weltuntergang.

(1:28 - 1:39)

Apropos Weltuntergang, genau, kurze Randnotiz. Alina ist gestern nach Hamburg gefahren und hat elf Stunden gebraucht anstatt fünf. Also es gibt dann schon auch noch die Kehrseite.

(1:41 - 1:47)

Deswegen, es gibt tatsächlich auch wirklich dann Chaos. Ja. Zum Beispiel, wenn man sich fortbewegen möchte.

(1:47 - 1:57)

Nicht so wie ich hier im warmen Sesselchen nach draußen guckend, Pfeife rauchend, Katze auf dem Arm. Ja, Pfeife rauchend. Genau.

(1:59 - 2:24)

Ja, du, lass uns mal rein starten in das heutige Thema, weil da gab es ja auch eine schöne Geschichte dazu, warum wir überhaupt auf das Thema gekommen sind, und zwar eine Journalistin, die schon öfter mal ein Interview mit mir geführt hat, hat letztens etwas veröffentlicht. Und das fand ich sehr, sehr spannend. Nämlich, sie war einfach, wie viele andere auch, an einem Bahnhof gestanden.

(2:25 - 2:43)

Und eine Frau hat dann quasi im Nichtraucherbereich einfach sich eine Zigarette unter Hunderten von Menschen angezündet. Und vielleicht kennst du auch dieses Phänomen, man wartet dann drauf, bis der Erste vielleicht irgendwas sagt, weil es stört ja alle. Also zum Beispiel du.

(2:44 - 3:01)

Du bist ja der Erste, der aggro wird. Das ist ja dein Schwachpunktthema. Das ist mein Fachgebiet.

Rauchen ist mein Fachgebiet bezüglich Wut und Aggression vielleicht. Weil, weißt du, da geht es ja gar nicht ums Rauchen. Jeder kann ja machen, was er will.

(3:02 - 3:29)

Und das hatten wir ja schon mal. Sondern da geht es um ein Stellvertreterthema. Ich, ich, ich, du, mir egal.

Um das geht es ja eigentlich. Und da sind wir eigentlich schon beim Hauptthema. Und zwar ist es dann so gewesen, dass diese Journalistin dann hingegangen ist und zu der Frau gesagt hat, wir sind hier im Nichtraucherbereich und ich denke, ich bin nicht die Einzige, die sich jetzt hiervon gestört fühlt.

(3:29 - 3:56)

Und es wäre sehr, sehr achtsam, wenn sie ihre Zigarette einfach wieder ausmachen oder in einen anderen Bereich gehen, der abgeschirmt ist. Dann hat die Frau nur gelacht und hat einfach weiter geraucht. Und irgendwann ist sie dann nochmal hingegangen und dann hat sie quasi einfach mit so einem schnippischen Lächeln einfach die Zigarette auf den Boden geworfen und brennen lassen und ist dann einfach weggegangen, sozusagen.

(3:56 - 4:14)

Das war die Reaktion darauf. Und dann hat sie das veröffentlicht, diese Geschichte in den sozialen Medien. Und dann hat ein Mann darunter geschrieben, Leute, Leute, Leute.

(4:15 - 4:54)

Na, was habt ihr für Probleme wegen so einer scheiß Zigarette? Macht ihr hier einen riesen Fass auf und kriegt euch in die Haare, anstatt dass man sich mal um die wichtigen Themen kümmert, weil der Weltkrieg steht bevor und da draußen verhungern Leute und ihr habt nichts Besseres zu tun, als euch über so eine scheiß Zigarette aufzuregen. Und dann habe ich das gelesen und habe einfach meinen ersten Impuls darunter geschrieben, worauf quasi eine unfassbare Diskussion losging. Und zwar habe ich einfach darunter geschrieben, wie im Kleinen, so im Großen.

(4:55 - 5:32)

Mehr habe ich nicht darunter geschrieben. Und einige haben das verstanden, was ich gemeint habe, einige nicht. Und diese beiden Fronten sind dann quasi aufeinandergeprallt und das ist jetzt sehr gemein, weil ich habe da quasi jetzt so gezündelt, sozusagen, bin dann aber weggelaufen, habe mich dann gar nicht mehr daran mit reinlegt, sondern habe nur quasi so ein Strohfeuer gelegt und dann dem Theaterstück zugeguckt, so ein bisschen, mit schon großem Interesse, teilweise erstaunend, teilweise erschreckend, so okay, was in den Leuten alles los ist.

(5:32 - 6:19)

Und deswegen wollte ich diese Geschichte heute mal zum Anlass nehmen, dass wir mal darüber sprechen, so diese ganz kleinen Lappalien, eben, was ich auch schon mal mit dir besprochen habe, dieses Rauchen in der Öffentlichkeit, dieses, na, Dinge, die einfach so Stellvertreterthemen sind, dass das im Prinzip eigentlich der Grund ist, warum dann auch die großen Themen so sind, wie sie sind. Wegen dem eigenen Vorteil, wegen Egoismus, wegen mir sind die anderen scheißegal. So nach dem Motto, man muss diese Haltung ja bloß ins Große hochskalieren und schon hat man einen relativ amtlichen Krieg da, wenn es darum geht, meine eigenen Interessen zu vertreten und die mit komme, was wolle, durchzusetzen, sozusagen.

(6:19 - 7:00)

Und da ist meine Frage, fängt der Weltkrieg nicht quasi jeden Tag in uns an, mit jeder Entscheidung, mit jedem Verhalten, dass wir quasi im sozialen Kontext an den Tag legen? Also, mir fällt zu der Geschichte zwei Dinge ein. Also das Erste ist, natürlich, finde ich, ist es so, dass große Konflikte entstehen aus kleinen Konflikten, jeder große Waldbrand war irgendwann mal ein Funke, der irgendwo auf irgendwas übergegriffen hat. Ich glaube, das ist eine banale Erkenntnis, die jeder nachvollziehen kann.

(7:00 - 7:36)

Und natürlich, wenn die Menschen in sich friedlicher wären, dann würde es die Konflikte in der Welt nicht geben. Aber ich finde an deiner Geschichte einen anderen Aspekt noch viel spannender, weil diese Thematik oder die Fragestellung sind diese kleinen Konflikte oder diese kleinen Rücksichtslosigkeiten, Egoismen und so weiter, Ursache für diese großen Weltkonflikte. Da bin ich mir wirklich nicht sicher, ob das so ist.

(7:36 - 7:55)

Aber viel spannender finde ich die Reaktion auf deinen, finde ich ja, sehr schönen Kommentar, wie im Kleinen zum Großen, weil der trifft natürlich, der hat gesessen, finde ich, auch dieser Kommentar. Und der hat, glaube ich, auch viele Leute ganz offensichtlicher getroffen. Deswegen gibt es ja so eine Reaktion.

(7:55 - 8:12)

Und das finde ich eigentlich viel spannender, das auch mal zu betrachten, weil die Menschen waren ja noch nie wirklich anders, als sie jetzt sind. Vielleicht waren sie in Deutschland anders, vielleicht waren sie in anderen Ländern anders. Klar, Gesellschaften verändern sich in alle Richtungen.

(8:16 - 8:33)

Und es gab auch schon immer Konflikte. Also ich sage mal, so wie die Welt heute aussieht, glaube ich nicht, dass die Welt heute deswegen so aussieht, weil die Leute heute so viel anders geworden sind. Sondern die Leute waren einfach immer so, wie die Leute sind, wie Menschen halt einfach sind, mit ihren Egoismen, im Kleinen wie im Großen.

(8:33 - 9:08)

Und daraus entstanden schon immer schöne und auch katastrophale Dinge in der Welt. Aber was heute zumindest mal im deutschsprachigen Raum oder speziell in Deutschland wirklich anders ist, ist diese extreme Reaktion auf das, wenn jemand dann jetzt, in dem Fall wie du, dann mal so den Spiegel vorhält und dann so einen Satz sagt wie im Kleinen zum Großen und dann jedem im Endeffekt sagt, ja, aber schau mal, da bist du doch jetzt eben auch jemand, der diese Egoismen im Alltag lebt. Also das heißt, du bist auch mitverantwortlich, womöglich für die großen Probleme in dieser Welt.

(9:09 - 9:23)

Das ist ja das, was du im Endeffekt mit sowas ja auch machst. Also du legst den Finger so ein bisschen in die tatsächlich vorhandene Wunde an der Stelle. Und früher hätte man so einen Kommentar im Endeffekt, ja, dann hätten die meisten ignoriert.

(9:24 - 9:38)

Aber heute führt das zu einem Weltkrieg online gefühlt. Da prallen Welten dann aufeinander. Und das finde ich spannend, was uns eigentlich die Reaktion auf deinen Kommentar eher zeigt.

(9:39 - 10:03)

Weil das ist ja das Außergewöhnliche, weil alles andere, finde ich ehrlich gesagt, das ist menschlich einfach, sage ich jetzt mal. Schau mal, wie Menschen früher, also wir zwei, groß geworden sind als Kinder. Wenn du dich mal erinnerst, wie da die Leute teilweise mit der Natur umgegangen sind, dass man die Kippen überall weggeschmissen hat und so weiter.

(10:03 - 10:16)

Da waren auch viele Dinge viel schlechter, als sie heute sind. Also ich sage jetzt mal, die Achtsamkeit an vielen Stellen für bestimmte Dinge, was heute gar nicht mehr geht, ist heute deutlich höher, finde ich, an einigen Stellen als früher. Also weißt du, ich glaube, das verändert sich immer.

(10:16 - 10:34)

In manchen Bereichen ist es mal besser, in manchen ist es mal schlechter. Das sind so Entwicklungsstufen. Aber allein das Thema Rauchen, also mit Raucherzonen oder Nichtraucherzonen und in Restaurants und dieses und jenes, da ist die Gesellschaft hier schon so viel achtsamer und weiterentwickelt als vor 30, 40 Jahren.

(10:35 - 10:54)

Das ist ja schon krass, finde ich. Du kennst das ja auch noch, oder? Wenn man quasi im Restaurant ganz normal geraucht hat und so. Ja voll, klar.

Mein Papa hat ja auch geraucht. Er raucht ja bis heute. Und wenn man da in die Restaurants reingegangen ist, da hast du erst mal teilweise gar nicht gesehen, wer da drin saß, weil du erst mal so den Nebel wegwedeln musstest.

(10:54 - 11:13)

Ach, da hinten ist der Tisch, ja genau. Heute undenkbar, undenkbar. Ich weiß, mein Papa und die Mitarbeiter, die haben im Büro geraucht, wo ich in die Steuerkanzlei gegangen bin, da gab es Raucherzimmer, aber das waren nicht separate Räume, sondern das waren halt die Raucherbüros, wo dann vier in einem Raum zusammensassen, die alle geraucht haben.

(11:14 - 11:26)

Zwischen den Steuererklärungen und so weiter und so fort. Und ich weiß auch noch, dass da zum Beispiel eine Mitarbeiterin damals ihr Baby dabei hatte. Das stand da halt manchmal einfach mit drin.

(11:26 - 11:39)

Da haben die anderen nichts gesagt, da hätte gar niemand was gesagt. Das war halt normal. Also ich sage mal, die Standards in einer Gesellschaft verändern sich mit bestimmten politischen oder gesellschaftlichen Themen und Entwicklungsschritten.

(11:40 - 12:04)

Aber was wirklich interessant ist, ist zurzeit, dass wenn man Menschen darauf aufmerksam macht, dass sie sich eben nicht entsprechend verhalten, dass die Empörung, wir leben ja echt in einem Empörungszeitalter, dass die deutlich höher ist als eben vor 10, 20, 30, 40 Jahren. Vielleicht höher denn je, muss ich sagen. Und das fände ich spannend mal zu überlegen.

(12:04 - 12:21)

Warum ist das eigentlich so? Weil ich glaube, man könnte auch über dieses Verhalten von dieser Frau reden. Also was will die damit eigentlich zeigen? Das ist ja eine offensichtliche Protestaktion. Die wollte ja provozieren und Aufmerksamkeit.

(12:22 - 12:42)

Okay, aber jetzt zeigst du diesen Leuten diesen Spiegel mit deinem Kommentar und die Leute flippen zum Teil aus und viele verteidigen dich auch. Und ich glaube, das hat damit zu tun, dass sich ganz viele Menschen heutzutage gegängelt fühlen in ihrer persönlichen Freiheit. Genau, das ist ein großer Punkt.

(12:42 - 13:09)

Und wenn ich mich persönlich nicht frei fühle, also eingeengt fühle, aus welchen Gründen auch immer, und mir dann jemand zu Recht an der Stelle auch sagt, wie im Kleinen so im Großen, auch hier solltest du achtsamer sein, dann wird ganz schnell aus dem, ich kann hier erst mal machen, was ich will. In dem Bereich gibt es kein Gesetz oder keine Rechtsprechung oder was auch immer. Und dann mache ich das jetzt einfach.

(13:09 - 13:42)

Und du hast mir gar nichts zu sagen, weil du bist hier nicht die Polizei. Was willst du überhaupt? Und das finde ich spannend, weil das ist, glaube ich, also Stichwort große Konflikte. Aus dieser Überempfindlichkeit der Leute, finde ich, entsteht hier wirklich gerade ein großes Problem, auch in Deutschland, wo Bevölkerungsgruppen aufeinander prallen, wo es politische Auswirkungen gibt im Sinne der Parteipolitik, wo also wirklich auch, finde ich, droht, eine Gesellschaft vielleicht zu kippen in die eine oder andere Richtung.

(13:42 - 14:06)

Nicht wegen dem Vergehen von einzelnen Egoismen, sondern wegen dem, dass Leute sich so eingeengt fühlen in ihrer Freiheit und in ihrem Leben, dass sie sogar, wenn die kleinen vergehen oder diese kleinen Dinge angesprochen werden, im Endeffekt, also du ziehst den so ein bisschen am Ohr und der reagiert mit der Pumpgun. So fühlt sich das an. Und das ist das, was mir zuerst dazu einfällt.

(14:08 - 14:36)

Ja, das ist spannend, dass du das sagst mit dieser Überempfindlichkeit oder vielmehr auch mit dieser Einschränkung der eigenen Freiheit. Oder vielleicht eben auch mit diesem, ich sage mal, dogmatischen, ich möchte es nicht kleinkariert nennen, aber halt schon so sehr ein kleines Gatter haben, so für seine eigene Wiese sozusagen. Da fällt mir ein Beispiel ein.

(14:37 - 14:56)

Ich habe ja diese Brand gegründet, Tonstudio für Frauen. Und es gibt ja quasi sogenannte Flinter-Bewegungen. Das sind so diese, das ist ein Akronym für eben verschiedene Sexualitäten, sage ich mal, verschiedene Geschlechter.

(14:59 - 15:19)

Und jetzt ist es so, das F steht für Frauen vorne und dann kommt halt Lesbian und so bei Flinter und so weiter. Und jetzt ist es spannend gewesen. Vielleicht ist es auch so ein stellvertretender Thema, was ich da mal mit reinnehmen darf, was eigentlich sehr gut auf das einzahlt, was du gerade gesagt hast.

(15:20 - 15:44)

Und zwar haben wir uns bei der, es hieß auf Englisch sogar mit Women im Netzwerkbegriff sozusagen. Haben wir uns quasi in Anführungszeichen beworben, um dass man sich gegenseitig unterstützt. Also da stand jetzt nicht Flinter blablabla, sondern da stand Women.

(15:44 - 16:46)

Ich möchte jetzt nicht den ganzen Namen aussprechen von dieser Organisation. Und dann haben die uns zurückgeschrieben, nee, das geht so nicht, weil wir haben Frauen bei uns im Brandnamen und deswegen werden sie uns nicht mit aufnehmen, weil wir ja alle anderen dann damit ausschließen sozusagen, was diese Flinterabkürzungen alles betrifft sozusagen. Und das finde ich dann auch spannend, dass man diese fast schon, wenn man es Überempfindlichkeit nennen darf, dass man quasi andere Menschen oder dass man quasi eine gute Sache aufgrund von zu engen Regeln, sage ich mal, gar nicht zulässt, weil es gegen irgendwelche selbsternannten Prinzipien verstößt, ohne den Mehrwert dahinter zu sehen eigentlich sozusagen.

(16:47 - 17:38)

Man torpediert dann eigentlich den eigentlichen Gedanken dahinter, dass man sich gegenseitig unterstützt, weil man seine Freiheit selbst eigentlich ehrlich gesagt sehr eng gesteckt hat. Und dann kommt man da auch gar nicht mehr raus irgendwie und dann reagiert man da vielleicht auch manchmal aufgrund von eigener, wir hatten es letztens glaube ich auch von Identität, man hat plötzlich so eine Identität sich selbst hingeschustert, die einen manchmal eigentlich viel mehr einschränkt als Freiheit gibt sozusagen. Ja, ja, genau.

Es ist eine Scheinfreiheit in einer Gesellschaft oder in einer Welt, wo man denkt, Freiheit ist ein grenzenloses Gut. Ich habe grenzenlose Freiheit. Es ist natürlich so, dass meine Freiheit ja immer dort endet, wo die Freiheit des anderen beginnt.

(17:38 - 17:57)

Und wenn jetzt jeder glaubt, der hat die grenzenlose Freiheit, dann ist es so, dass in Wahrheit eigentlich der Korridor der persönlichen Freiheit immer kleiner wird. Also nimm das Beispiel Meinungsfreiheit, das ist ein schönes Beispiel. Wir haben im Grunde genommen eine mehr oder weniger grenzenlose Freiheit in der Meinungsäußerung.

(17:57 - 18:11)

Nicht komplett, es gibt ein paar juristische Grenzen, das ist ganz klar. Es gibt eine klare juristische Definition, was man sagen darf und was auch wirklich dann straffällig wäre im Sinne von Beleidigung, Volksverhetzung und so weiter. Es gibt juristische Standards.

(18:12 - 18:30)

Aber ich sage jetzt mal, unabhängig davon haben wir im Grunde genommen eigentlich ein Recht zur freien Meinungsäußerung in Deutschland. Das heißt, man kann alles sagen, was man mehr oder weniger will, wenn man die juristischen Ränder jetzt mal ausklammert. So weit die Rechtsprechung.

(18:30 - 18:41)

Also das ist die theoretische Freiheit. Aber die empfundene Freiheit in Bezug auf Meinungsäußerung ist eine komplett andere in einem großen Teil der Bevölkerung. Und ehrlich gesagt schließe ich mich damit ein.

(18:41 - 19:09)

Ich kann das sehr gut nachvollziehen, dass viele Leute heute das Gefühl haben, dass man nicht mehr das sagen kann, was man will. Natürlich kann man das sagen im Sinne von ich kann es einfach aussprechen. Aber die sozialen Kosten, die ich trage, wenn ich meinem Recht auf freie Meinungsäußerung folge, diese sozialen Kosten kommen wirklich, das ist echt brutal, weil der Meinungskorridor immer enger wird.

(19:09 - 19:33)

Und das kommt durch das, was du vorhin angesprochen hast, wenn jeder nicht nur überempfindlich ist, sondern jetzt radikal wird in seinen Meinungen. Und dann eben diese Flinterbewegung dahin geht, wenn praktisch nicht alle mit eingeschlossen sind, dann ist derjenige, der nicht alle einschließt, draußen. Dann gehört Wimmen halt nicht mehr dazu, weil Wimmen ist halt nur Wimmen.

(19:34 - 19:41)

Und dann ist es nicht Teil von etwas Größerem, sondern es ist halt nicht alles. Das heißt entweder alles oder gar nichts. Und das ist ja die Haltung an der Stelle.

(19:41 - 19:58)

Und das ist das, was wir momentan sehen, diese Extremränder. Entweder zu 100 Prozent das, was ich meine, ist moralisch oder halt gar nichts. Und dazwischen gibt es keinen Raum der Begegnung und keine Brücken und kein Annähern und gar nichts mehr.

(19:58 - 20:25)

Und das hat, glaube ich, mit einer Ideologisierung von bestimmten Werten zu tun. Und wir haben, ehrlich gesagt, auch viele spirituelle Prinzipien, die in allen Kulturen eigentlich gleich sind. Ich sage jetzt mal, wenn du die großen Kulturen, spirituellen Traditionen, auch Religionen, wenn du die alle übereinanderlegst, dann kommst du in großen Teilen auf ähnliche Grundwerte, die dort eigentlich alle in Stein gemeißelt sind seit Jahrtausenden.

(20:26 - 20:42)

Und ich glaube, wir haben heutzutage einfach in unserer Gesellschaft diese spirituellen Grundwerte durch Moral ersetzt. Es wird heute alles durchmoralisiert. Und das wäre übrigens für mich auch die direkte Verknüpfung zu deiner Bahnhofsgeschichte oder zu deinem Kommentar.

(20:43 - 20:58)

Das, was die Leute im Endeffekt auf die Palme gebracht hat, war, dass du im Endeffekt gefühlt für die hier jetzt den moralischen Zeigefinger gehoben hast. Ich meine, ich finde deinen Kommentar genial. Ich würde ihn auch genauso unterstützen.

(21:00 - 21:06)

Aber das empfinden die Leute als moralisierend. Jetzt kommt wieder einer, der sagt, na, na, na. Wie im Kleinen so, im Großen.

(21:06 - 21:20)

Da dürft ihr euch alle mal selber hinterfragen, ob er nicht irgendwo hier auf der richtigen Seite steht. Und dieses ständige Moralisieren in allen Fragen geht den Leuten gewaltig auf den Sack. Ich kann es, ehrlich gesagt, auch verstehen.

(21:21 - 21:36)

Aber ich versuche gar nicht einzuteilen, wer sind die Richtigen und wer sind die Falschen, wer hat recht, wer nicht. Ich versuche einfach mal zu verstehen, warum die Leute heutzutage so sind und reagieren, wie sie es heute auch tun. Das ist diese Überempfindlichkeit, die ich sehen kann.

(21:37 - 21:47)

Ja, ich finde es auch nicht gut, dass du mich jetzt als Moralapostel hinstellst. Das ist das Allerletzte. Gerade du, mit deinem Beruf.

(21:47 - 21:53)

Du kennst mich doch. Du kennst mich doch und ziehst mich jetzt in so eine Ecke. Als Nichtflintern.

(21:54 - 22:18)

Genau. Ich verstehe das auch total. Und ich verstehe auch total, dass, wenn ich den Kommentar jetzt quasi von jemand anderem lesen würde, dass das in den Hals kommen würde von ach, da weiß jetzt wieder einer ganz genau, wie es ist und ist selbst quasi der Buddha sozusagen und macht quasi alles richtig und alle anderen haben es nicht gecheckt und so.

(22:19 - 22:34)

Verstehe ich total. Kann ich total nachvollziehen. Ich würde ihn trotzdem wieder schreiben, weil ich eben das spannend fand, was, wie du sagst, was daraus gemacht wurde.

(22:36 - 22:56)

Und ich glaube schon, ich glaube schon, dass man manchmal einfach Dinge aussprechen muss, um vielleicht nur fünf Prozent mitzunehmen auf den Gedankengang. Es geht ja auch gar nicht darum, jemanden zu missionieren und zu sagen, gell, ihr raucht jetzt alle nicht mehr am Bahnhof. Das geht ja gar nicht.

(22:56 - 23:13)

Sondern es geht ja um ein, um ein, sich bewusst werden, was mein Handeln vielleicht für ein Schmetterlingsschlag sein kann am Ende in der Welt. Um das geht es doch eigentlich. Und ich lese gerade ein Buch von Eckhart Tolle.

(23:14 - 23:35)

Das ist das neueste Buch, 2025, zumindest ist es eine Neuauflage, Eine neue Erde. Und er spricht einfach ganz humorlos von einer geisteskranken Menschheit. Und er meint das quasi wirklich im buchstäblichen Sinne, dass der Geist von uns Menschen einfach krank ist.

(23:35 - 24:12)

Er hat eine Erkrankung, weil wir uns so sehr mit Dingen identifizieren, die uns ins Leiden bringen, die wir nicht sind, sozusagen. Ich lache gerade deswegen, weil, weil ich mir die Frage stelle, war das denn schon jemals anders? Ja, ja. Ist es halt eine Erkrankung? Oder ist es nicht einfach das Naturell von Menschen? Deswegen sind wir ja Menschen, weil wir eben keine geistige Vollkommenheit haben.

(24:13 - 24:45)

Ich verstehe, was gemeint ist, aber ich finde das immer tatsächlich schwierig, wenn man Leuten praktisch einen Fehler oder eine Krankheit oder was auch immer andichtet, im weitesten Sinne, für etwas, was systemimmanent ist, praktisch, was uns einfach einschließt. Man könnte auch sagen, jeder ist körperlich krank. Ja, weil der Körper überhaupt gar niemals 100 Prozent vollständig gesund sein kann.

(24:45 - 25:09)

Natürlich auch nicht unser Geist. Also ich weiß schon auch hier, was gemeint ist. Und ich würde das in vielen Teilen voll mitgehen, aber ich glaube, dass die Gesellschaft und das ist laut Eckart Tolle, dass jetzt die Zeit gekommen ist, wo es nicht mehr verzeihbar ist.

(25:09 - 26:06)

Das heißt, wo die Welt es uns nicht mehr verzeiht, dass wir krank sind, sozusagen im Kopf, sondern weil unser kranker Geist die Welt quasi jetzt dorthin gefahren hat, also die Welt in Form von Erde, also quasi die Mutter Erde, dass wenn jetzt nicht diese Geisteskrankheit bei einigen auch in Form von, er nennt es ja auch, Erwachen oder Bewusstwerden. Oder was ich auch schön fand, ehrlich gesagt, das fand ich einen ganz, ganz tollen Begriff, habe ich mit der Alina auch geteilt. Und zwar nennt er Menschen, zum Beispiel ich, ohne, ohne jetzt diese Frau verurteilen zu wollen, nehmen wir als Stellvertreter und da würde der Eckart Tolle jetzt zu ihr sagen, das ist ein Mensch, der nicht gegenwärtig ist.

(26:07 - 26:24)

Und das fand ich einen schönen, einen schönen Ausdruck. Weil wenn man quasi da vor sich hin raucht, dann ist man vielleicht wirklich gerade nicht bei sich im gegenwärtigen Moment und nimmt Dinge wahr. Und man kann ja Dinge nur im gegenwärtigen Moment wahrnehmen.

(26:25 - 26:45)

Ich kann das ja nicht in der Zukunft machen oder in der Vergangenheit, sondern nur jetzt kann ich Dinge wahrnehmen. Und gegenwärtig, das ist ein gegenwärtiger Mensch. Das finde ich eine ganz tolle Bezeichnung, ehrlich gesagt, die mir auch immer wieder so einen schönen Reminder gibt, dass das eigentlich das Wichtigste ist, ein gegenwärtiger Mensch zu sein.

(26:46 - 26:53)

Wäre ich gerne, ehrlich gesagt. Du? Ja, absolut. Das ist ja unsere tägliche Aufgabe und Challenge.

(26:54 - 27:02)

Immer, immer häufiger in diese Bewusstheit und Gegenwärtigkeit zu kommen. Und man fällt natürlich immer wieder in dieses tiefe Tal der Unbewusstheit. Klar.

(27:03 - 27:07)

Ja. Du auch, oder? Du. Wir sind alle Menschen aus Fleisch und Blut.

(27:08 - 27:21)

Also von dem her Stichwort Geisterskrankheit. Also die die geistige, nicht vollständige Gegenwärtigkeit und Gesundheit ist ein uns Eulensystem immanenter Bestandteil. Und die Aufgabe ist es, sich Schritt für Schritt in die richtige Richtung zu entwickeln.

(27:22 - 27:26)

Wohlwissend, dass wir niemals dort ankommen werden. Ja, voll. Niemals.

(27:27 - 27:33)

Voll. Und weißt du, da sind wir auch wieder bei dem Punkt. Das ist ja nur ein Screenshot gewesen von dieser Frau.

(27:34 - 27:43)

Keine Ahnung, vielleicht raucht die normalerweise gar nicht. Hat aber irgendwas ganz crazy mäßiges erfahren und sagt, wenn mir jetzt noch einer auf den Geist geht, den hau ich um oder so. Nach dem Motto.

(27:44 - 28:07)

Kann auch sein, dass man quasi diese Frau jetzt quasi mit einem Etikett beklebt und sagt, das ist diejenige, die Weltkriege auslöst mit ihrem Verhalten sozusagen. Aber vielleicht war alles ganz anders und die ist eigentlich normalerweise Yogalehrerin und Meditationslehrerin und hat einfach einen unfassbar schlechten Moment gerade quasi als Screenshot abbekommen, sozusagen. Du meinst, das ist die Raucherin, ne? Ja.

(28:08 - 28:17)

Ich würde das gerne als Gedankenspiel jetzt mal umdrehen. Ich finde den Gedanken gerade interessant. Jetzt stellen wir uns nochmal die Situation vor.

(28:17 - 28:32)

Da ist eine Frau im Nichtraucherbereich und die raucht. Dass das nicht gut ist und okay ist, glaube ich, das ist, glaube ich, klar. So, jetzt gibt es die andere Frau, die Journalistin, die hat das gesehen.

(28:33 - 28:47)

Jetzt stell dir mal vor, diese Frau, die Journalistin, hätte damals den besten Tag ihres Lebens, die beste Lebensphase ihres Lebens gehabt. Die ist also vollkommen verliebt und schwebt im Glück. Gegenwärtig.

(28:47 - 28:57)

Komplett gegenwärtig. In so einem Moment, ich glaube, so einen Moment kennen viele Menschen, in so einem Moment kann die Erde über dir zusammenbrechen. Du schwebst in einer Blase des Glücks.

(28:59 - 29:22)

Ich wette, dass diese Frau in dem Moment das zwar trotzdem wahrgenommen hätte und durch ihren moralischen Filter, das eben nicht durchgesickert wäre, sondern sie trotzdem gemerkt hätte, das ist aber nicht in Ordnung hier, aber sie wäre dort wahrscheinlich nicht hingegangen. Und sie hätte wahrscheinlich nichts gesagt, weil sie sich gedacht hätte, naja, so sind es die Leute. Und weiter geht's.

(29:22 - 29:30)

Oder sie wäre vielleicht dorthin gegangen, hätte das gesagt und die Frau hätte natürlich nicht reagiert. Und das wäre es. Ende der Geschichte.

(29:33 - 30:16)

Mein Gedankenexperiment wäre bloß, also was hat jetzt hier in Anführungszeichen eigentlich den in Anführungszeichen Weltkrieg ausgelöst? Die Frau, die dahin geht und, sage ich jetzt mal, sich tatsächlich nicht respektvoll anderen gegenüber verhält und da hat es raucht. Oder die Frau, die selber auch nicht in der Balance ist, dass sie dahin geht, eine entsprechende Resonanz bekommt und daraus dann einen Artikel macht, wo dann Hunderte von Leuten einen riesigen Frust haben und auf einmal Bevölkerungsgruppen aufeinandertreffen und sich komplett streiten. Diese eine Frau, die sich respektlos verhalten hat und geraucht hat, hat damit die Macht bekommen, Hunderte wahrscheinlich, also wahrscheinlich waren es ja Hunderte, es ging anscheinend relativ viral, Hunderte von Leuten negative Gefühle zu erzeugen.

(30:16 - 30:26)

Und es hätte nur einen gebraucht, der gegenwärtig gewesen wäre und das wäre alles in der Folge nicht passiert. Stichwort Weltkriege. So entstehen aus meiner Sicht Weltkriege.

(30:27 - 31:14)

Also, das heißt, das respektlose Verhalten Einzelner können wir nicht verändern. Aber ob wir das dann so an die große Glocke hängen und da so ein Fass drauf haben, da müssen wir uns die Frage stellen, was ist eigentlich mein Anteil daraus, dass aus dieser kleinen Sache, die in der Sache an sich indiskutabel ist, aber jetzt so ein Ding geworden ist und das glaube ich, so entstehen große Kriege, weil wenn man sich mal die Geschichte überlegt, wo eigentlich Kriege herkommen, also wenn man da Biografien zurückgeht und sieht, was für einzelne Schlüsselmomente das im Leben von einzelnen Personen manchmal waren, die dann irgendwo was im Kopf, in der Einstellung oder sonst was verändert hat, das ist unglaublich. Also von dem her würde ich sagen, so wird eher noch ein Schuh draus, dass aus einer Mücke oft ein Elefant wird oder aus dem Funken eben ein Waldbrand.

(31:15 - 31:35)

Der Funke ist nicht das Problem, weil es gibt halt Funken in der Welt und es gibt respektlose Menschen. Ich glaube, was uns fehlt, ist das wohlwollende Zugewandtsein zu Menschen. Ich hätte diese Frau auch anschauen können, hätte innerlich mit dem Kopf geschüttelt, hätte mal gedacht, so geht es nicht und vielleicht hätte ich trotzdem auch was gesagt.

(31:35 - 32:15)

Ganz klar, das ist vollkommen in Ordnung, man muss nicht die Augen zumachen oder es akzeptieren, aber ob ich dann in der Lage bin, diesen Aspekt bei mir zu behalten oder ob ich das jetzt mehr oder weniger unkontrolliert weiter flammen lasse, ist dann schon eine spannende Frage, die man mit Sicherheit von Fall zu Fall unterschiedlich bewerten und diskutieren kann, aber das ist mal mein Gedanke dazu auch noch. Und weißt du, was mir fehlt, das ist vielleicht der letzte Satz bloß dazu, was wir verloren haben, auch in der Diskussion, weil ich vorhin gesagt habe, dass ja die Leute immer extremer werden auch. Das sieht man ja auch in den Diskussionen, wenn man sich anschaut, wie früher Politiker miteinander gestritten haben.

(32:16 - 32:48)

Also 80er Jahre, 70er Jahre, ich habe da manchmal, gibt es so alte Zusammenschnitte von so Bundestagsdebatten, was sich der Strauß und auch der Kohl und also die haben sich teilweise echt hart angepackt, also teilweise deutlich härter als heutzutage, aber das war okay. Und heute, wenn einer was sagt, ist das ein Riesen-Eklat. Und das Verhalten an sich, wie Leute da miteinander reden, es war damals nicht gut und es ist heute nicht gut, aber heute wird aus der Zeit etwas gemacht, was extrem ist.

(32:48 - 33:17)

Und ich glaube einfach, dass uns verloren gegangen ist, Menschen grundsätzlich auch im Streit, auch in der Andersartigkeit, diese wohlwollende Perspektive zuzugestehen. Also das heißt, den anderen nicht in Bausch und Bogen grundsätzlich zu verurteilen, sondern mit einem wohlwollenden Auge trotzdem hinzuschauen und zu sagen, ja, die Frau hat wahrscheinlich gerade echt einen richtigen Scheißtag und das ist eine doofe Nuss in dem Moment, dass die da raucht. Und ich glaube, und das war es dann aber auch irgendwann mal.

(33:17 - 33:41)

Und vielleicht muss ich was machen, aber dieses Entgrenzte, weißt du, das, glaube ich, ist das Problem heutzutage. Auch durch die sozialen Medien natürlich, durch die Möglichkeit. Es ist lustig, dass du das Wort Grenzen gerade sagst, weil das ist ja dann quasi eigentlich der Gegenspieler, die eigene Grenze, sozusagen, hier endet jetzt meine Grenze und die darf ich auch entweder verteidigen oder man kann auch einfach gehen.

(33:41 - 34:09)

Also das wäre natürlich auch ein Beispiel gewesen, zu sagen, ich verlasse hier diesen Ort jetzt einfach und gehe 10 Meter weiter, dann stört es mich nicht mehr, sozusagen. Wärst du denn tendenziell vielleicht auch bei dem Mann, der den Kommentar geschrieben hat, so nach dem Motto, was regt ihr euch über so eine Scheiße jetzt auf? Es gibt doch jetzt gerade echt wichtigere Themen als so was. Warst du das? Nein, ich war es nicht.

(34:09 - 34:21)

Ich war es nicht. Und ich würde mal sagen, ich verstehe auch hier, Stichwort wohlwollend, ich versuche bei allem, was Menschen tun und sagen, zu verstehen, was der meint. Und ich verstehe, was der meint.

(34:22 - 34:45)

Und ich würde Ihnen in der Perspektive auch komplett recht geben. Trotzdem ist es natürlich gut, wenn wir uns über solche Dinge austauschen. Und ich glaube, ich würde es anders formulieren, ich würde sagen, hey, okay, es ist, also Reaktion gegen Reaktion, lass uns darüber reden, aber man kann das sachlich diskutieren und man kann emotional jetzt hier den Weltkrieg online nachspielen.

(34:46 - 35:10)

Und dann zu sagen, hey, worüber regt ihr euch dann eigentlich hier so auf? Würde ich schon sagen, ja, da ist was dran an der Stelle. Weil ich glaube, dieser Vorfall, dieser Vorfall, dieser Raucherin hat eigentlich es nicht verdient, dass jetzt hunderte von Leuten schlechte Gefühle haben und sich gegenseitig beleidigen oder streiten. Weißt du, was ich meine? Ja, total.

(35:11 - 35:41)

Es könnte natürlich aber auch ein Anteil dabei sein, dass diese hunderten Leute, die sich jetzt da, vielleicht sind es tausende, die sich da jetzt unterhalten, dass da bei einigen in anderen Situationen im Leben vielleicht ein anderes Verhalten sozusagen auftritt, weil sie sich an die Geschichte erinnern. So, scheiße, jetzt hätte ich auch beinahe das und das gemacht, aber das wäre jetzt eigentlich auch nicht fair den anderen gegenüber gerade so. Wer weiß? Also es kann eine Schulung der Achtsamkeit sein.

(35:41 - 36:01)

Es kann eine Schürung von Aggression sein bezüglich Belehrung und jetzt weiß es wieder jemand besser und so weiter und Einschränkung der Freiheit. Es kann quasi die gleiche Ursache oder der gleiche Umstand kann für zwei verschiedene Reaktionen sorgen. Mein Lieblingsbeispiel ist halt Kartoffel und Ei.

(36:02 - 36:19)

Das heißt, da ist einfach nur mal ein kochendes Wasser und du legst eine Kartoffel rein, die wird weich und du legst ein Ei rein, das wird hart, aber der Umstand ändert sich ja nicht. Aber die beiden Sachen reagieren komplett unterschiedlich auf diesen Umstand namens heißes Wasser, namens Rauchen in dem Fall. Ja, ja, richtig.

(36:19 - 37:12)

Die Frage ist halt immer, weil das gibt es mit Sicherheit, das was du sagst, dass Leute durch die Diskussion achtsamer und bewusster werden und sich in der nächsten Situation selber die Frage stellen, wie reagiere ich oder reagiere ich überhaupt. Aber die Frage ist natürlich, wie viele sind das und war, sage ich mal, dieser Crash, der da jetzt entstanden ist, angepasst verhältnismäßig zu dem, was da vielleicht dann irgendwie zehn Leute jetzt bewusster sind. Man kann ja auch nicht sagen, auf der anderen Seite, es sind ja viel mehr Leute irgendwo, oder es gibt ja einige Leute, die in Bezug auf Rassismus sensibler geworden sind, aber deswegen kann es ja nicht ein Holocaust irgendwo gut heißen, obwohl der Holocaust und alles, was da passiert ist, natürlich mit Sicherheit dazu geführt hat, dass Leute über Rassen und über diesen ganzen Faschismus anders denken.

(37:12 - 37:28)

Und natürlich ist da viel entstanden an Bildung und an Bewusstheit. Und trotzdem sagt man nicht, ja, okay, dafür war es dann aber auch gut. Also das heißt, das eine ist eine Katastrophe, das ist jetzt vielleicht ein bisschen ein extremes Beispiel, aber das eine ist und bleibt einfach eine Katastrophe.

(37:28 - 37:44)

Und dass sich aber auch aus Katastrophen natürlich gute Dinge in der Folge ergeben, ist vollkommen klar, weil es ist in der Sache der Natur. Aber trotzdem muss nicht jede, jedes Ergebnis durch so eine Ursache erzeugt werden. Also man kann auf verschiedenen Wegen zur Erkenntnis kommen, das ist das, was ich meine.

(37:46 - 37:57)

Ja, verstehe ich. So könnte man auch sagen, also dann sind ja alle Kriege in der Welt scheißegal. Dann können wir ja einfach alles weiterlaufen lassen, weil es wird definitiv auch immer auch Bewusstsein für Frieden erbringen.

(37:57 - 38:28)

Eins ist nämlich immer klar, der Kampf einer Gesellschaft für den Frieden oder das Bewusstsein für Frieden ist immer dann ganz besonders hoch, wenn dieses Land in unmittelbarer Nähe eines Kriegsgebietes lebt oder gerade den Krieg erlebt hat. In den 50er-, 60er- und 70er-Jahren oder auch noch zu der Zeit, wo wir zwei Kinder waren, war das Bewusstsein für Frieden in Deutschland ein ganz anderes, als es heute ist, wo manche sehr romantisch wieder auf irgendwelche Kriegsgeschichten blicken. Und das hat damit zu tun, dass unser letzter Krieg halt einfach schon bald jetzt dann mal 80 Jahre her ist.

(38:30 - 38:53)

Jaja, ich verstehe alles, was du sagst. Ich habe da so von der Temperaturanzeige einfach rausgelesen, dass es wirklich 90 Prozent am Ende derjenigen, die sich da in der Diskussion beteiligt haben, ja zu Recht auch gar nicht mehr um die rauchende Frau ging. Genau.

(38:54 - 39:29)

Also von dem her finde ich, ist es schon eine gute Diskussion, ehrlich gesagt, weil jeder oder nahezu alle waren sich dessen bewusst, dass es ja gar nicht darum geht, sondern es geht darum, was ganz Grundlegenderes und was vielleicht im Endeffekt auch für uns alle viel Größeres. Und deswegen empfinde ich es jetzt nicht so, dass man da aus einer Mücke einen Elefanten macht, sondern man hat quasi die Mücke enttarnt als Elefant sozusagen. Die Mücke war der Türsteher vor dem Raum mit dem Elefanten.

(39:29 - 39:51)

Ja genau. Also jeder hat das Schattenthema dahinter erkannt und vor allem eben diesen Gedanken des Flügelschlags. Die Frage ist, hat das jeder erkannt? Oder gibt es jetzt wieder ein paar tausend Leute, die sagen, ja die anderen sind einfach Idioten, die wollen uns ja alles vorschreiben.

(39:52 - 40:07)

Ja klar, es gibt immer die und die. Gleichzeitig hat dieses Gefühl eben, dass so der Grundtenor schon eine viel grundsätzlichere Diskussion war. Wie gehen wir Menschen denn eigentlich miteinander um im Alltag? Ja stimmt, genau.

(40:07 - 40:19)

Das ist ja eigentlich das Thema hinterm Thema. Das ist das Thema hinterm Thema. Aber ich kenne jetzt diesen Post und die Kommentare nicht, aber ich kann es mir ungefähr vorstellen, wie es da in diesem Chatverlauf dann zuging.

(40:19 - 40:40)

Die Art und Weise, wie eine Diskussion über respektvollen Umgang geführt wird zwischen Menschen, ist von beiden Seiten aus meistens nicht mehr besonders respektvoll. Und das ist halt eben auch das Stichwort moralisieren. Wenn moralisiert wird über bestimmte Werte und man gleichzeitig auf der anderen Seite während man moralisiert andere Werte komplett vernachlässigt.

(40:41 - 41:08)

Also moralisieren über Werte ist zum Beispiel, hey wir sind hier alle freie Menschen und wir können ja sagen, was wir wollen, du blödes Arschloch. Jetzt habe ich zwar einen Wert moralisiert und auch die Fahne hochgehoben hier für Freiheit und Selbstbestimmtheit, auf der anderen Seite habe ich Respektlosigkeit und Beleidigung einfach mal vernachlässigt. Und das ist das, was ich eben auch sehe, dass sich jeder so ein bisschen seinen Do-it-yourself-Moralismus heutzutage baut.

(41:08 - 41:36)

Also ich habe so meine moralischen Vorstellungen, die sind die richtigen, die stülpe ich dir jetzt auch über und ich habe definitiv einen Punkt, wenn ich dir jetzt irgendwie fünf, sechs, sieben Werte sage, die du vielleicht manchmal nicht einhältst oder die ich jetzt irgendwo verletzt sehe und ich weiß, dass die richtig sind und deswegen hebe ich die jetzt hoch. Und übersehe aber komplett, dass ich bestimmte andere moralische Werte dabei opfere. Das ist ja das große Dilemma, dass man oftmals bestimmte moralische Werte opfern muss, wenn man andere versucht zu verteidigen.

(41:37 - 41:57)

Nimm das aktuelle Beispiel mit Russland und der Ukraine. Da prägen so viele Interessen, Perspektiven, Welten, Sichten, Entscheidungsmöglichkeiten oder auch Nichtmöglichkeiten aufeinander, dass man sagt, fast egal welche Entscheidung wir treffen, irgendwo tun wir jemandem weh. Irgendwo ist es nicht gut.

(41:58 - 42:39)

Und das ist das, wo ich glaube, wo der Moralismus an seine Grenzen steckt oder kommt, weil eben in einer imperfekten Welt mit imperfekten Menschen es niemals irgendwo Lösungen, Regelungen oder irgendwas geben wird, wo alle damit happy sind und wo alle Regeln eingehalten worden sind und wo alles richtig war. Und ich glaube, da verbeißen sich die Leute oftmals in dem, weil keiner irgendwo bereit ist, dann auch mal von seiner Seite aus irgendwo auch mal 20% irgendwo abzugeben und zu sagen, ja okay, dann lebe ich jetzt damit. Ich lebe mit diesen 20%, die nicht okay sind, um die 80% dann aber auch zu schützen.

(42:40 - 42:55)

Das ist, glaube ich, das Problem, dass man immer auf 100% Lösungen will. Und zwar beide Seiten wollen auf 100% Lösungen in ihrer Perspektive. Und dann dieses Nichtwohlwollende und dann sind die anderen immer Nazis, Feinde, Radikale, Schwurbler oder sonstige Dinge.

(42:58 - 43:38)

Ehrlich gesagt, ich finde es auch immer noch ganz schön schwierig für mich herauszufinden, wo ist die Balance zwischen ich gehe einfach also jetzt auch wieder mal stellvertretend ich sehe etwas, wo ich merke, ich bin da in meiner Grenze überschritten und denke mir, ja okay, weißt du was, ich habe die Freiheit und ich kann einfach auch woanders hingehen. Also nicht woanders in Form von ich muss jedes Mal den Ort wechseln, sondern einfach auch mental woanders hingehen oder ich kann es anders betrachten. Und wo ist es vielleicht einfach auch mal gut zu sagen, nee, dann warte mal ganz kurz.

(43:40 - 44:05)

Das geht gerade für mich zu weit und das möchte ich so nicht. Wo ist es wirklich auch verbal wichtig für seine Grenzen einzustehen und auch mal laut zu werden, die Stimme zu erheben, weil wenn jeder in der Welt immer sagt, naja, mei, so sind sie halt, ich gehe woanders hin, dann ist es glaube ich auch nicht der richtige Weg. Ja, vollkommen klar.

(44:05 - 44:30)

Und ich glaube, das kann aber nur und da sind wir bei der Freiheit des Einzelnen, das kann jeder eben und darf jeder einfach für sich entscheiden und da brauchen wir keine allgemeine Regel, wo man sagt, so, das kann doch nicht sein, dass da Leute einfach dann wegschauen. Doch, für manche Leute ist es auch vollkommen okay, weil es ist ihre Freiheit und jemand wie du und wahrscheinlich auch ich, ich wäre da wahrscheinlich auch hingegangen und hätte mal einen Ton gesagt. Also ich bin da auch so, dass das durchaus sein könnte.

(44:32 - 44:43)

ich tue mir das schwer. Also es ist nicht so, dass das in meiner Natur total angelegt ist, ich sehe irgendwas und dann so, hey, hör auf damit. Kommt drauf an.

(44:43 - 45:03)

Überhaupt nicht. Es kommt drauf an, wie es mich stört oder wie sehr es mich triggert und da ist halt jeder unterschiedlich. Mancher hat halt den Trigger beim Zigarettenrauch stärker als ein anderer und somit toleriere ich persönlich aus meinem naturell und meiner Persönlichkeit heraus bestimmte Dinge vielleicht weniger als vielleicht du, wo du das vielleicht mehr tolerierst und in anderen Themen ist es wieder andersrum.

(45:04 - 45:40)

Ja, voll. Aber ich glaube und das ist echt interessant, weil ich glaube, dass das Scheindiskussionen sind. Also das ist nicht das, worum es geht, weil ich glaube, diese Freiheit darf jeder haben aber wenn wir uns jetzt darüber praktisch unterhalten, wie wir zwei das machen, dann ist es eine offene und wertschätzende und in der Sache klare Diskussion und da haben wir viele Übereinstimmungen und es gibt vielleicht auch ein paar unterschiedliche Perspektiven und das ist okay, weil ich dir keine böse Meinung, keinen bösen Willen, keinen mich erziehen wollen, kein gar nichts unterstelle, weil ich dir und generell Menschen gegenüber wohlwollend bin.

(45:41 - 46:17)

So, wenn ich dich jetzt aber nicht mögen würde oder wenn ich gerne oder generell vielleicht Menschen nicht mag, dann könntest du mich mit deinen Sätzen, die du gesagt hast, bestimmt schon irgendwie auf die Palme bringen, weil ich mir denken würde, was ist denn das für einer? Du bist ja auch einer von denen. Und dann fange ich an, auf dich irgendwas zu projizieren, wo ich mir denke, ja okay, Flinter und das und du bist ja auch einer von denen, wahrscheinlich wählst du auch noch die Grünen und so weiter, weißt du, was ich meine? Und jetzt geht es in diese krasse Verurteilung und die Art und Weise, es ist überhaupt kein Problem, dahin zu gehen und die Frau anzusprechen. Es ist auch überhaupt kein Problem, es nicht zu tun.

(46:17 - 46:59)

Es ist auch überhaupt kein Problem, dann so eine Beobachtung, finde ich, online zu posten, im Rahmen der Journalist und das mal zur Diskussion zu stellen. Die spannende Frage, finde ich, ist, wenn wir das sehen, wie gehen wir jetzt innerlich damit um? Was erzeugt es in uns selber für eine Emotion? Wie reagieren wir mit oder interagieren wir mit Leuten, die gleicher Art denken oder die andersartig denken? Und das ist das Spannende, finde ich, an der Diskussion. Wenn so Triggerpunkte kommen, die man unterschiedlich sehen kann und dann der Umgang mit den Dingen, die passieren, nicht, ob das passiert und ob ich darauf reagiere, sondern wie gehen wir mit der Unterschiedlichkeit um? Und wir haben einfach verlernt, Unterschiede auszuhalten.

(47:01 - 47:16)

Jawohl. Kurz Harald Schmidt zitiert, nur weil ich jetzt da mich für Waffenlieferungen usw. ausspreche, möchte ich nicht, dass man mich gleich in so eine grüne Ecke drängt.

(47:17 - 47:20)

Ja, genau. Sehr gut. Genau.

(47:21 - 47:39)

Geil. Kurzes Beispiel, was es echt sehr, sehr gut auf den Punkt bringt, so dieses, das kennst du mit Sicherheit auch, jeder spürt irgendwas, passt nicht, aber niemand sagt es. Und dann sagt es einer und dann alle, Gott sei Dank, hat es jetzt einer mal gesagt.

(47:40 - 47:58)

Und da gibt es ein Beispiel, das finde ich immer noch so legendär, weil wir Menschen einfach so crazy unterschiedlich sind. Na, wenn ich dir das jetzt erzähle, dann würdest du sagen, in dieser Inkarnation würde ich das niemals machen, ich auch nicht. Und ein anderer sagt, der ist sicher, das würde ich jederzeit wieder so machen.

(47:58 - 48:33)

Und zwar Beispiel, wir waren vor vielen, vielen, vielen, vielen Jahren beim Snowboarden und wir fahren runter und es ist eine Riesenschlange an diesem Lift plötzlich. Man denkt sich, hä, das ist doch unter der Woche und es sind doch gar nicht so viele Leute, wieso ist denn so eine Riesenschlange? Und dann sehen wir, dass in diesen vier Liften immer nur ein oder zwei Leute einsteigen, weil die halt immer zusammenfahren wollen und so. Und dann wartet man wieder und plötzlich hat sich eine Riesenschlange ergeben und alle denken sich, hä, wir wollen doch hier fahren und wir sind doch extra unter der Woche hier fahren gegangen, damit man eben nicht warten muss.

(48:33 - 49:29)

Und ein Kumpel von mir, der sieht das, schnallt sein Snowboard ab, ich so, okay, also er hat nicht mit mir gesprochen, läuft an der ganzen Schlange vorbei und es waren viele Leute, stellt sich vorne an dieses Gitter hin, schreit die Leute an, macht's mal die Lifte voll Himmelarsch! Und plötzlich sind nur noch vier Leute da hochgefahren, einer nach dem anderen war voll und die Schlange war innerhalb von zwei Minuten weg. Und er ist wieder hintergegangen, hat mich so angegrinst und hat sein Snowboard wieder angeschnallt und dann so, da muss halt mal einer sagen. Und das fand ich auch so ein Beispiel von, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, ich könnte im Erdboden versinken, das hat er jetzt nicht gemacht, aber es waren ihm alle dankbar, weil einer war der Arsch, so nach dem Motto.

(49:31 - 49:48)

Und das ist auch so ein Beispiel von, ja, einer muss es dann machen, einer muss es dann mal sagen. Und wo ist da die Grenze? Und deswegen, ich werde das niemals tun, in meinem Leben, da bin ich nicht der Typ dafür. Und er macht das einfach mit einer Selbstverständlichkeit, so weißt du.

(49:51 - 49:58)

Das ist halt sein Naturell. Genau, das ist sein Naturell, dass er gar kein Problem hat, sich mit hunderten Menschen anzulegen. Gar kein Problem.

(49:58 - 50:13)

Also, der hätte auch jedes Buu-Konzert ausgehalten, das wäre gar kein Problem gewesen. Aber es war ihm wichtig, dass man das jetzt mal sagt, weil sonst sagt es ja niemand. Und das fand ich auch so eine spannende Stellvertreter-Story.

(50:14 - 50:24)

Ja, absolut. Deswegen sage ich auch, es ist vollkommen in Ordnung, dass da jemand was sagt. Es ist sogar sehr wichtig, dass jemand was sagt, weil wir dürfen das nicht ignorieren.

(50:26 - 50:38)

Genau, und alles andere habe ich dazu ja auch schon gesagt, was dann in der Folge passiert. Ja, ja, voll. Genau, weil für den war das nämlich, schätze ich jetzt mal, für den war das wahrscheinlich drei Minuten danach auch wieder vorbei.

(50:39 - 50:44)

Ja, ja, voll, der hat sich da gar keine Gedanken mehr gemacht. Und das ist das, was ich meine. Da entsteht kein Weltkrieg.

(50:44 - 50:58)

Der hat einmal sehr klar orientiert und sein Ding gesagt und hat versucht, da auch für Ordnung zu sorgen. That's it. Kein Artikel, kein riesen Fass aufmachen, kein moralisieren.

(50:58 - 51:04)

Der hat kein einziges Wort mehr sogar darüber verloren. Es war dann quasi nicht mehr existent sozusagen. Es war aufgelöst.

(51:05 - 51:21)

Genau, genau. Und das spricht für einen in dem Sinne oder in dem Moment zumindest stabilen Menschen, weil der hat trotzdem das Falsche nicht ignoriert, hat für Ordnung gesorgt, hat sich kundgetan. Und dann war die Flamme auch sofort wieder erstickt.

(51:21 - 51:36)

Der Funke ist gesprungen, die Kerze war angezündet und sie wurde wieder erstickt und fertig und kein Flächenbrand und so weiter. Und das meine ich mit der Überempfindlichkeit und dem Moralisieren der Leute. Klar, man hätte sich dann einen halben Tag auch noch darüber unterhalten können, wie egoistisch die Leute sind und so weiter.

(51:36 - 51:45)

Man hätte eine Insta-Story machen können, man hätte eine TikTok-Story machen können, hättest du ja auch tausende Kommentare gekriegt. Schaut mal hier, die ganzen Arschlöcher da. Alle gehen eins und zwei rein.

(51:45 - 51:53)

Hier eine riesen Schlange und so weiter. Und ich und meine Kinder oder meine Freunde, wir warten, sind um vier Uhr aufgestanden und so weiter. Da hättest du ja einen riesen Shitstorm entwickeln können.

(51:55 - 52:35)

Ich finde, das hat auch was mit Verantwortung zu tun, dass ich meinen eigenen Unmut in der Sache konstruktiv auslebe oder ausdrücke, ohne, sage ich jetzt mal, das in eine größere Masse irgendwie zu überführen, wo dann eigentlich nichts Produktives im Sinne der Sache entsteht, weil die Lifte waren voll und die Frau hat nicht mehr geraucht. Und alles, was danach kam, ist halt die Frage, ist das noch konstruktiv oder ist es jetzt nur ein sich gegenseitiges Beschimpfen und Bewerfen und Diskutieren? Vielleicht kann es konstruktiv auch sein. Es hat konstruktive Anteile, aber ist es verhältnismäßig? Die Frage, glaube ich, muss man sich halt auch immer ein bisschen selber stellen.

(52:37 - 53:01)

Ja, vor allem, dass man dann eben zum berühmten Moralapostel wird und dann quasi so grundlegende Themen drüberstülpt, wie ich es jetzt gemacht habe, sozusagen. Ja, aber weißt du, wo fängst du an, wo hörst du auf? Ich meine, jeder von uns kann heute durch den Stadtplatz gehen und findet Beispiele für das, was du gesagt hast. Und wenn jetzt jeder anfängt, das zu posten oder jeder anfängt, das meine ich mit Über- oder Befindlichkeitsgesellschaft.

(53:02 - 53:32)

Wir haben so viel Streit, nicht wegen den Dingen, die passieren, weil die Welt noch nie besser war, sondern wir haben so viel Streit, weil wir diese Dinge, die passieren, einfach nicht gut verarbeiten, weil wir alles, weil wir empfindsamer vielleicht auch geworden sind. Was gut ist, auf der einen Seite, dass Menschen nicht mehr ganz so stumpf sind, wie sie vielleicht schon mal waren, jedenfalls viele. Aber auf der anderen Seite ist es das Schattenthema dahinter, ist, dass wir halt auch solche Dinge dann eben nicht mehr für uns verarbeiten können, sondern immer das in die Öffentlichkeit geben müssen.

(53:32 - 53:56)

Und somit gibt es schon viele Diskussionen da draußen in der Welt, wo ich auch sage, ja, darüber kann man sich definitiv unterhalten. Die Frage ist, ist da unsere Energie konstruktiv und sinnvoll eingesetzt? Ja, ja, voll. Ja, wenn es daraus dann ein Learning gibt, was dann das Kollektiv, generell das Bewusstsein sozusagen des Kollektivs hebt, würde ich sagen, ja, kann man das schon machen.

(53:57 - 54:11)

Wenn es aber nur, wie sagt man in Bayern, hauptsache Luft scheppert, dann ist es natürlich vergräutete Energie, vollkommen richtig. Aber das weiß man halt vorher nie so genau. Genau, ist halt die Frage vielleicht auch der eigenen Absicht.

(54:11 - 54:44)

Also wenn ich das jetzt irgendwie posten würde oder sowas, was ist jetzt eigentlich meine Absicht? Möchte ich jetzt wirklich einen Beitrag leisten für eine gesellschaftliche Diskussion? Muss man darüber auch mal im Großen und Ganzen sprechen anhand dieses Stellvertreterthemas? Also brauchen wir eine Debatte darüber? Oder versuche ich hier gerade nur meinen eigenen Unmut irgendwo nach außen zu tragen, weil ich ihn selber nicht aushalte und irgendwie so ein bisschen zu haten und hoffe, ich kriege viele Unterstützer? Ja, ja, voll. Das darf auch wieder jeder für sich selber. Darf man sich hinterfragen, was wollte ich eigentlich wirklich damit machen? Bezwecken.

(54:45 - 54:59)

Ich glaube, da gibt es auch keine Quintessenz oder Lösung oder richtige Antwort auf diese Story, glaube ich. Nee, genau. Weil es hängt mit dem eigenen Graut des Bewusstseins, finde ich, zusammen.

(54:59 - 55:13)

Ich stelle mir in solchen Situationen einfach immer eine Frage. Was würde Kurt Tepperwein tun? Wenn der jetzt in der Situation gewesen wäre. Der würde mit rauchen.

(55:14 - 55:23)

Würde sich auch eine anzünden, genau. Hast du immer Feuer? Nee, du Arschloch, gib mal ab. Lass auch mal ziehen.

(55:25 - 55:44)

Was ist da drin? In der Zigarette? Du rauchst ja normale Zigaretten. Nee, aber das finde ich, ich nehme mir einfach dann mit Kurt, oder es gibt auch vielleicht ein, zwei andere, wo ich sage, okay, die haben ein entsprechend entwickeltes Bewusstsein. Das sind relativ bewusste, aber auch der Menschen an vielen Stellen.

(55:45 - 56:03)

Und die nehme ich mir als Blueprint, als Orientierungsgröße und stelle mir nur die Frage, okay, was würden die jetzt machen? Und dann kann ich trotzdem meine eigene Entscheidung treffen. Ich muss deswegen nicht blind folgen. Aber das finde ich immer wichtig, als eigenes Regulativ, sich immer klarzumachen.

(56:03 - 56:28)

Weil ich stelle bei mir selber fest, dass ich viele Verhaltensweisen, wo ich den emotionalen Impuls dazu habe, jetzt das zu sagen oder das zu machen oder auf die Art und Weise, dass das aus mir kommt. Aber wenn ich mir anschaue, in welchen Menschen möchte ich mich ja entwickeln, dann stelle ich fest, zu dem, wie ich sein möchte, passt das nicht. Und dann kann ich auch vielleicht die Verhaltensweise nochmal in der Art korrigieren.

(56:29 - 56:40)

Das kann vielleicht auch hilfreich sein. Ja, du, ich glaube, da sind wir jetzt ganz schön tief reingetaucht. Ja, war ein cooles Thema.

(56:40 - 56:46)

Richtig cooles Thema. Ja, cooles Thema, das einfach jetzt quasi so stehen bleiben darf, glaube ich. Ja, absolut.

(56:47 - 57:06)

Ja, und jeder muss auf seine Art und Weise oder darf auf seine Art und Weise darüber diskutieren oder reflektieren für sich selber, wie gehe ich mit sowas um. Weil es ist tatsächlich ein Thema, das betrifft uns ja jeden Tag, weil wir jeden Tag diese Respektlosigkeiten irgendwo sehen. Ja, genau.

(57:06 - 57:20)

Genau. Und einfach würde mich auch interessieren, wie das andere sehen. Ob es da einen missing link gibt, sozusagen, den wir alle übersehen, zwischen dem, was generell in der Welt los ist und zwischen dem Bahnhof.

(57:21 - 57:37)

Ja, richtig. Also, so trennscharf, glaube ich, das eine ist das Leben am Bahnhof von den normalen Menschen und das andere ist das Leben von den Leuten, die die Welt regieren. Das ist vermeintlich.

(57:39 - 57:46)

Das ist so. Also kann man jetzt, glaube ich, nicht so, dass man sagt, das hat miteinander nichts zu tun. Das stimmt.

(57:46 - 57:59)

Würde ich auch für gewagt halten. Definitiv. Gibt doch in München, wenn du in die Innenstadt reinfährst, gibt es doch irgendwo, ich weiß gar nicht, was das für eine Straße ist, gibt es so ein schönes, großes Schild auf der Seite, weil man steht an der Stelle immer im Stau.

(57:59 - 58:10)

Immer. Und da steht dieses große Plakat Sie stehen nicht im Stau, sie sind der Stau. Nur das steht da.

(58:11 - 58:22)

Und das ist total geil. Ich wollte da schon immer mal eine Story machen dazu, weil ich mir denke, das bringt so gut auf den Punkt. Man regt sich dabei auf, die ganzen Idioten, ja, alle sind so unterwegs.

(58:22 - 58:28)

Ja, du bist selber mit Teil des Staus, du bist der Stau. Total geil. Und das trifft auf das auch zu, was du sagst.

(58:28 - 58:32)

Auf jeden Fall. Das hat mit uns zu tun, ja. Ja, genau.

(58:34 - 58:40)

Danke fürs Reintauchen. Danke dir für die coole Story und Alltagserfahrung. Ja, gerne.

(58:40 - 58:46)

War ja gar nicht meine in dem Fall. Ja, genau. Du warst ja praktisch mit Part of the Game.

(58:47 - 58:52)

Ein bisschen, ja. Mit deinem sehr treffenden Kommentar. Vielleicht auch unüberlegt, keine Ahnung.

(58:52 - 58:57)

Ich fand den gut. Mir gefällt das. Cool, bis zum nächsten Mal.

(58:57 - 59:00)

Bis zum nächsten Mal. Tschüss. Ciao.

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